Nördlich der Panoramastraße, zwischen dem Warmensteinacher Ortsteil
Fleckl und dem ehemaligen Forsthaus Grünstein, verläuft der Bocksgraben.
Dem Wanderer, der längs des Bocksgrabensteigs marschiert, fällt auf, dass
dieser gelegentlich ebenerdig, gelegentlich aber auch tief in das Gelände ein-
geschnitten, dahin fließt. Dies hat seinen Grund in der Tatsache, daß es sich
bei dem Bocksgraben um ein künstlich angelegtes, den Höhenlinien ange-
passtes Gerinne handelt, das vor nahezu zweihundert Jahren zu erheblichen
Streitigkeiten, ja beinahe zu kriegerischen Grenzkonflikten, führte. Die Eisen
erzeugende und verarbeitende Industrie (Hochöfen, Hammerwerke) in Fichtel-
berg, die Ende des 18. Jahrhunderts in hoher Blüte stand, benötigte für den
Betrieb ihrer Werke die Wasserkraft als Energielieferant. Um das Wasser der
eigenen Quellen zu verstärken beschloss man, die Quellen der Steinach am
Ochsenkopf abzugraben und nach Fichtelberg umzuleiten; der Bocksgraben
war geschaffen. Meisterhaft wurde das künstliche Bachbett entlang der
Höhenlinien in teilweise nächtlichen Aktionen gegen den Protest der Mühlen- und Hammerwerksbesitzer im Steinachtal angelegt. Da ein Großteil des Steinachgebietes unter markgräflicher (preußischer) Herrschaft, das an-grenzende Fichtelberg jedoch unter bayerischer Verwaltung stand, drohte
die Abgrabungsaktion zu einem ernsten politischen Konfliktstoff zu werden.
Schließlich einigte man sich vier Jahre nach Beginn des Bocksgrabenbaus im
Jahr 1801 doch noch gütlich mit einem Vergleich.
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