Die vier Köhler vom Silberhaus
Das Handwerk des Köhlers war anstrengend und gefahrvoll und brachte meist nur kärglichen Verdienst. So lebten einmal vier Köhler zusammen in einer armseligen Behausung bei ihren Meilern in der Nähe des Silberhauses.
Als sie eines Tages nach mühevoller Arbeit totmüde in ihre Betten fielen, wurden sie durch ein sonderbares Geräusch an ihrem wohlverdienten Schlaf gehindert. Vor ihrer heruntergekommenen Bretterhütte polterte es, als ginge es nicht mit rechten Dingen zu.
Die vier lauschten in die Dunkelheit und keiner wagte sich zunächst auch nur ein Sterbenswörtchen zu sagen. Dann brach der eine das Schweigen: „Horcht, da kommt was!“, raunte er seinen Freunden zu. Tatsächlich erkannten auch die anderen, dass sich irgend etwas langsam der alten Köhlerhütte näherte.
Es dauerte nicht lange, da wurde die in ihren Angeln ächzende Tür geöffnet und eine bucklige Waldfrau betrat die Hütte. Die vier Köhler waren aus Furcht bis zum Hals unter ihre Bettdecken gekrochen. Die unheimliche Besucherin sah sich in der armseligen Behausung um und fasste nach den verschiedensten Gegenständen. Schließlich begann sie mit einer Stimme, die den Köhlern einen Schauder über den Rücken jagte, zu murmeln: „Lauter Köpfe und kein Gebein! Lass mir’s nur meinem Urahnl sag’n, dass er mir beim Abnag’n hilft!“ Dann verschwand die Alte, so schnell sie erschienen war.
Als sie sich in Sicherheit glaubten, standen die vier Männer rasch aus ihren Betten auf und liefen, so schnell es in der Dunkelheit eben ging, durch die Steinloh nach Hause.
Einer der Köhler verstarb acht Tage nach diesem unheimlichen Ereignis. Von da an blieben auch die anderen nachts nicht mehr in der alten Köhlerhütte am Silberhaus.