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Mythen und Sagen aus dem Fichtelgebirge

Diese Geschichten sind aus dem Buch "Geister, Ritter, Fabelwesen". Eine sagenhafte Reise durchs Fichtelgebirge von Harald und Willy Herrmann, erschienen im Heinrichs-Verlag ISBN 3-89889-055-4/ISBN 978-3-89889-055-7.

Aus der Schneebergregion

Die drei Brüder

Der sagenumwobene Rudolfstein

Viel Ungestümes wird von dem einstigen Herren des
Schlosses auf dem Rudolfstein berichtet. Ein genuß-
süchtiger, wolllüsterner und zügelloser Wüstling soll
der Herrscher auf der Felsenburg beim Schneeberg
gewesen sein. So holte er nicht selten die schönen
Töchter seines Landes für seine Vergnügen auf sein
Schloss.

Einmal jedoch trieb es der Ritter zu weit. Er entführte eine hübsche Nonne aus dem Kloster Himmelkron und machte sie sich auf seiner Burg zu Willen.

Nach einiger Zeit ließ er die Nonne wieder frei, doch es plagte ihn das Gewissen. Um das ihr Angetane wieder gut zu machen, bot er ihr Gold das man im Egertal gewann, zum Geschenk an. Die Nonne jedoch rannte in das Egertal hinab zu dem Bergwerk und verfluchte es für die Zeit, für die sie im Jenseits ihre Sünde abbüßen müsse. Erst dann, wenn diese Zeit abgelaufen ist, würde an dem Ort eine Wunderblume wachsen und derjenige, der sie findet, kann die Schätze der Mine heben.

Nicht weit vom Rudolfstein entfernt stehen drei hohe Felsen, genannt "Die Drei Brüder". Die Sage erzählt, dass wüste Raubritter einst die drei Söhne eines Schlossherren verfolgt hätten. Auf ihrer Flucht sind die drei Adeligen dann in der Nähe des Rudolfsteines in den Bannkreis eines bösen Geistes gekommen, der die Menschen hasste. Ohne lange Diskussionen hatte er die drei Söhne in die riesigen Felsen verwandelt, die heute noch zu sehen sind.

Die Entstehung der "Drei Brüder" Felsen
(entnommen aus: www.lfu.bayern.de - Geotope)

aus der Schneebergregion

Die Jungfrau auf dem Nußhardt 

Eines Tages trieb ein junger Hirte seine Schafe hinauf zu den Nußhardtfelsen.  Plötzlich sah er vor einer Quelle eine junge Frau sitzen, deren langes Haar wie ein goldener Umhang ihren Rücken bedeckte. Nach dem sie ihr Haar mit einem filigranen kleinen Elfenbeinkamm frisiert und zu Zöpfen geflochten hatte, stand sie auf und ging den Hang hinauf. Erst jetzt sah der Schäfer das Gesicht der Jungfrau und sein Herz begann zu rasen, so hübsch war das Mädchen.

Vorsichtig schlich er ihr nach und beobachtete sie dabei, wie sie auf einer Wiese Flachs in der Sonne ausbreitete und wendete. Dabei sang sie ein Lied, das war von so viel Traurigkeit und Schwermut geprägt, dass es dem jungen Mann durch Mark und Bein ging. Nachdem die Jungfrau den Flachs ausgebreitet hatte, lief sie in Richtung Nußhardt und verschwand zwischen den Felsen.

Als der Hirte die Arbeit des Mädchens besah, bemerkte er zwischen dem Flachs ein echtes Goldstück. Am nächsten Tag konnte er es kaum erwarten, die hübsche Jungfrau wieder zu sehen. Wieder beobachtete er sie und wieder fand er nach ihrem Verschwinden ein Goldstück.

Nach einigen Tagen hatte der Hirtenjunge seine Schüchternheit teilweise überwunden und zeigte sich dem schönen Mädchen, als es erneut den Flachs breitete.  Als er sie jedoch aus der Nähe sah, war er von ihrer Schönheit so betört, dass er es nicht wagte, sie anzusprechen. Auch die Jungfrau sprach kein Wort. So ging es Woche für Woche, bis das hübsche Mädchen schließlich das Schweigen brach.

 „Wenn du mir helfen willst, bekommst du so viel Goldstücke, wie du willst“, sprach das Mädchen und der Hirtenjunge nickte heftig, nicht so sehr wegen der Goldstücke, sondern mehr wegen des Mädchens, das er von ganzem Herzen liebte. Daraufhin erzählte ihm die Jungfrau, dass sie eine Prinzessin sei, die vor vielen, vielen Jahren durch einen bösen Zauber an diesen Ort gebannt worden sei. Wenn er sie befreien wolle, müsse er am nächsten Sankt – Petri - Tag, dem ersten August, zum Nußhardtfelsen kommen. Er müsse jedoch großen Mut beweisen, denn ganz gleich, wem er hier begegnen wird, den muss er küssen. Nach diesen Worten verschwand die Hübsche.

Von jenem Tag an hatte der Schafhirte die anmutige Blonde nicht mehr gesehen und er fieberte voller Ungeduld dem Sankt-Petri-Tag entgegen. In der Nacht zuvor konnte er kein Auge zutun und bereits beim ersten Morgengrauen war er zum Nußhardt  aufgebrochen. Lange musste der Junge im Felsenlabyrinth warten. Erst als unten in Bischofsgrün die Glocken läuteten, erschien eine Gestalt zwischen den Felsen.

Starr vor Schreck blickte der Hirte auf ein grässliches, altes Weib. Ekel und Abscheu erfasste ihn, als sie ihn mit ihren roten Triefaugen anblickte und der Geifer aus ihrem zahnlosen, stinkenden Maul troff.

Angewidert wandte sich der Junge von der hässlichen Gestalt ab und lief den Hang hinab. Nach einer Weile wurde ihm bewusst, dass er durch seine Feigheit die Erlösung der hübschen Prinzessin verhindert hatte.

Später wurde er bewusstlos von Waldarbeitern gefunden und zu seiner Mutter gebracht. Lange Zeit lag er im hohen Fieber und als er wieder genesen war, war der Schafhirte irr geworden.

 
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